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butter knife: gastrokritik

by Giulio Vacchiano

 

hier ist ein neuer text mit dem thema:

die gastrokritik im postfaktischen zeitalter

dominic hat mir einen podcast geschickt darin hat ein wissenschaftler gesagt, dass essen süsser schmeckt aus farbigen tellern und wertvoller schmeckt wenn das besteck schwerer ist usw. da haben manche restaurants (die coolen), totale psychotricks angefangen damit es besser wird. ein anderes restuarant ist angekommen und hat gesagt: das ist ja beschiss das machen wir nicht, bei uns zählen nur gute zutaten und viel liebe. der wissenschaftler hat ihm geantwortet: du hohl kopf, weisse teller und normalo einrichtung ist doch genau so ein psycho trick! dann hat das restuarant keine argumente mehr gehabt.

es gibt eine millionen beeinflussungs arten. im urlaub schmeckt alles besser, das auge isst mit, niedrige erwartung gibt viel spielraum für positiv überraschungen, aber wenn man es schon erwartet malt man sie sich immer besser aus wie sie ist, hunger ist der beste koch usw. der wissenschaftler in dem podcast hat gesagt ausserdem, dass es dem restuarant egal ist, ob es einem schmeckt, solange man hinterher dachte es hätte einem geschmeckt, wenn man seinen freunden erzählt. zb weil man sich vor sich selber rechtfertigen muss dass man tausend euro ausgegeben hat, oder iwas einen so gewundert hat, dass man sich ewig dran erinnert.

ich habe früher echt versucht, das transparent zu machen mit den beeinflussungen, 1 aber es ist mir jetzt einfach nur noch scheiss egal.

so andere gastro kritiker die bei zeitungen schreiben, gehen immer drei mal hin, und ich dachte früher ja das macht viel sinn dann gleicht man aus wenn vll ein mal was nicht so gut war oder was gutes nur zufällig gut, weil man hat ja eine verantwortung weil alle gehen ja hin wenn man was gutes schreibt und niemand wenn man was schlechtes. was für ein bullshit. wenn man öfter hingeht um was besser festzustellen, das ist doch keine realistische gast perspektive, wenndann soll man schon so oft hingehen bis man das essen nicht mehr erträgt und nie wieder hingehen will. und dann als gastro kritik schreibt man einfach die zahl hin wie oft man da war. heute gastro kritik: krua thai: 8. oder, guten abend bio restuarant: 1.

das viele geld was die ausgeben müssen für öfter essen gehen kommt wieder rein man hat mehr platz für werbe anzeigen um die zahl rum. (die zahl braucht viel weniger platz)

jedenfalls bevor man so tut als wär es objektiv, finde ich, also ich will jetzt nicht angeben aber da finde ich meinen gastro kritik ansatz schon einfach viel besser wo ich immer dazugesagt habe wie subjektiv es ist.

jetzt mache ich das aber nicht mehr.

die wichtigste gastro zeitung in köln (untertitel kölns gastro guide) ist tagnacht, und ich wollte mal danke sagen für die umfassende arbeit die die seit jahren machen woher haben sie die energie. wenn ich ein review oder überblick text lese kriege ich immer einen lol anfall weil es ist alles in der wir form geschrieben. die probieren ihre autorität noch grösser zu machen indem sie sich als ganzer schwarm von kritikern ausgeben, dabei kann man sich leicht ausmalen, dass es wahrscheinlicher ist, es ist ein typ der als einziger davon leben kann und wo sich nachts eine weinschorle nach der anderen reinpeitscht (so wie ich grade) und mit einem seidentuch um den hals und die macbook tastatur wie ein pianist bedienend, gastro kritiken in wir-form verfasst. (das ist aber schon mein einziger mangel punkt.)

wenn man eine gastro kritik oder irgendeine meinung sagt, soll man sie den leuten anbieten wie ein höflichen gruss aus der küche, man soll sagen: so finde ich es. es ist nicht gut, den leuten ihr eigenes urteil vorzuenthalten, oder davon auszugehen, dass die nicht sich ihr eigenes bild machen werden. haha! das war natürlich ein witz, ich schreibe immer irgendeine meinung hin und alle glauben mir alles. man muss dabei so gut man kann pamphletisieren. sie muss witzig sein und es darf nicht zu viel echt heit drin stecken, sonst denken die man sei ein langweiler. ich gehe inzwischen meistens lieber garnicht erst hin.

die leute wollen einen starken mann, der ihnen sagt wo es lang geht + dass alles scheisse schmeckt.

und ich sage zu euch:

geht einfach nicht essen! oder zumindest nicht in köln oder zumindest zu den leckeren restaurants oder zumindest weniger oder zumindest weniger als ich


Fußnoten

  1. https://www.facebook.com/tasteslikeashes/posts/1715591195377280

  2. https://www.facebook.com/tasteslikeashes/

Giulio Vacchiano is a critic who’s main focus is the culinary scene of Cologne. Since 2016, he runs the facebook page “it tastes like ashes”2.