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Rossums Universelle Roboter (RUR)

von Karel Čapek,  übersetzt von Pierre Schwarzer,  Kommentar von Pierre Schwarzer

RUR ist ein Science-Fiction-Theaterstück von Karel Čapek, welches im Januar 1921 in Prag erstaufgeführt wurde. Die dort vorkommenden Roboter – oder eher synthetisch generierte Humanoiden – werden auf einer Insel als Arbeitskräfte für die globalisierte Produktion hergestellt. Vor jedweder Entwicklung des Begriffs der DNA oder genetischen Manipulationsverfahren verweist das Stück bereits auf potenzielle Probleme synthetischer Biologie (von Bewusstsein bis hin zu ethischen Fragen) und prägte die Science-Fiction-Popkultur bis hin zur HBO-Serie Westworld, die das Szenario einer Roboterrebellion in einen anderen Kontext versetzt. Ein weiterer interessanter Aspekt des Stücks ist dessen historischer Hintergrund – die sozialen Konsequenzen des Fordismus, samt der ins Licht rückenden Einflüsse von Arbeitsbedingungen und Sozialisation auf Emanzipation und Individualisierung. Der Begriff des „Roboters“, erfunden Josefs Bruder Karel, taucht hier zum ersten Mal auf, während der Name des Erfinders Rossum eigentlich ein Wortspiel mit dem tschechischen Begriff für Vernunft (rozum) darstellt.

Der erste Akt, in welchem die Präsidententochter die Fabrik besucht, nimmt ethnographische Umwege in verschiedene Motive, die auch in gegenwärtigen Diskursen kursieren. Während Simone Weils Fabriknotizen die Härte von Fabrikarbeit zeigen, ist Rossums Fabrik gewisserweise selbst Erschafferin der Bedingungen ihrer Möglichkeit – der Produktionsprozess kommt ohne Menschen aus, die Arbeitskosten sinken hierdurch exponentiell, werden zu Treibstoff von Phantasien der Selbstverwirklichung (mitunter durch das Silicon Valley beworben in Form des Grundeinkommens), allesamt ermöglicht durch ein Erfinder-„Genie“, dessen Wunsch der Abschaffung Gottes nur zu dessen Wiederauferstehung (von der Seite) bewirkt, als Mythos und Opferlamm von Produktivität. Genauso stellt das Stück die Frage nach Nicht-Menschlichen-Akteuren und ihrer Rolle in der Gesellschaft hundert Jahre vor dem Versuch der Erschaffung von, sagen wir, autonomen Wäldern. Trotz des Erfolgs in seinen Anfangstagen ist das Stück schnell relegiert worden zu Verweismaterial in wissenschaftlichen Fußnoten – ein Problem welches wir mit einer frischen Übersetzung des ersten Akts angehen wollen.

Im Falle eines Roboteraufstands empfiehlt sich eine totalitäre Farbpalette

Roboter der Welt! Die Macht des Menschen ist vorüber! Eine neue Welt ist entstanden: die Herrschaft der Roboter! Marschiert!

AKT I (Gekürzt)

Zentralstelle der Fabrik von Rossums Universalrobotern.

Eingang rechts. Die Fenster an der Vorderwand öffnen den Blick auf die Reihen der Fabrikschornsteine. Auf der linken Seite Verwaltungsabteilungen. DOMIN sitzt im drehbaren Stuhl an einem großen amerikanischen Schreibtisch. Auf der linken Wand große Karten mit Dampfer- und Eisenbahnrouten. Auf der rechten Wand sind bedruckte Plakate befestigt. („Des Roboters günstigste Arbeit!“ usw.) Im Kontrast mit diesen Wandbeschlägen ist der Boden mit einem prächtigen türkischen Teppich bedeckt, um ihn herum ein Sofa, Ledersessel und Aktenschränke. An einem Schreibtisch in der Nähe der Fenster tippt SULLA auf die Tasten .

DOMIN
(Diktierend)
Bereit?

SULLA
Ja.

DOMIN
An E. M. McVicker und Co., Southampton, England. „Wir übernehmen keine Garantie für Waren, die im Transit beschädigt wurden. Sobald die Sendung an Bord genommen wurde, haben wir Ihren Kapitän darauf aufmerksam gemacht, dass das Schiff für den Transport von Robotern ungeeignet war und wir daher nicht für die verworfene Fracht verantwortlich sind. Wir verbleiben, Rossums Universalroboter. Mit freundlichen Grüßen. “
(SULLA, die während des Diktats regungslos saß, tipp nun für ein paar Sekunden schneller, bevor sie den fertigen Brief hervorzieht.)
Bereit?

SULLA
Ja.

DOMIN
Ein weiterer Brief. An die EB Huyson Agentur, New York, USA „Wir bestätigen den Erhalt der Bestellung für fünftausend Roboter. Da Sie Ihr eigenes Schiff schicken, senden Sie bitte als Fracht gleiche Mengen von weicher Kohle und Steinkohle für R.U.R Dies gilt als Teilzahlung des uns zustehenden Betrages. Wir verbleiben Rossums Universalroboter. Mit freundlichen Grüßen. “
(SULLA wiederholt das schnelle Tippen)

Bereit?

SULLA
Ja.

DOMIN
Noch ein Brief. „Friedrichswerke, Hamburg, Germany. Wir bestätigen den Erhalt der Bestellung für fünfzehntausend Roboter. “
(das Telefon klingelt)
Hallo! Das ist die Zentrale. Ja. Bestimmt. Nun, schicken Sie ihnen einen Telegramm. Gut.
(Hängt das Telefon auf)
Wo habe ich aufgehört?

SULLA
„Wir bestätigen den Erhalt der Bestellung für fünfzehntausend Roboter.“

DOMIN
Fünfzehntausend R. Fünfzehntausend R.
(MARIUS tritt ein)
Na, was gibt es?

MARIUS
Da bittet eine Dame, Sir, Sie zu sehen.

DOMIN
Eine Dame? Wer ist sie?

MARIUS
Ich weiß nicht, Sir. Sie bringt diese Einladungskarte.

DOMIN
(Liest die Karte)
Ah, von Präsident Glory. Bitten Sie sie, hereinzukommen.

MARIUS
Treten Sie ein.

Es kommt: HELENA GLORY. Es geht: MARIUS.

Der Buchdeckel der ersten Ausgabe

HELENA
Habe die Ehre.

DOMIN
Habe die Ehre.
(Er steht auf)
Was kann ich für Sie tun?

HELENA
Sie sind Herr Domin, der General Manager.

DOMIN
Der bin ich.

HELENA
Ich bin gekommen–

DOMIN
Mit der Karte von Präsident Glory. Das ist völlig ausreichend.

HELENA
Präsident Glory ist mein Vater. Ich bin Helena Glory.

DOMIN
Fräulein Glory, das ist so eine große Ehre für uns… die Tochter meines großen Präsidenten zu begrüßen, dass –

HELENA
Dass Sie mich nicht wieder fortschicken können?

DOMIN
Bitte, setzen Sie sich. Sulla, du kannst gehen.
(SULLA geht. Er setzt sich hin)
Wie kann ich Ihnen dienen, Fräulein Glory?

HELENA
Ich bin gekommen–

DOMIN
Um sich unsere berühmten Werke anzuschauen, in denen Menschen hergestellt werden. Wie alle Besucher. Nun, es gibt keinen Einwand.

HELENA
Ich dachte es sei verboten-

DOMIN
Die Fabrik zu betreten. Ja, sicher. Jeder kommt her mit einer Besuchereinladung, Fräulein Glory.

HELENA
Und Sie zeigen ihnen die Fabrik!

DOMIN
Nur bestimmte Dinge. Die Herstellung von künstlichen Menschen ist ein geheimer Prozess

HELENA
Wenn Sie nur wüssten, wie enorm das mich-

DOMIN
Interessiert? Europa spricht über nichts anderes.

HELENA
Warum lassen Sie mich nicht ausreden?

DOMIN
Ich bitte um Entschuldigung. Wollten Sie etwas anderes sagen?

HELENA
Ich wollte nur fragen!

DOMIN
Ob ich in Ihrem Fall eine besondere Ausnahme machen und Ihnen unsere Fabrik zeigen könnte? Nun, natürlich Fräulein Glory.

HELENA
Woher wussten Sie, dass ich das fragen wollte?

DOMIN
Sie alle fragen das. Aber wir werden es als eine besondere Ehre betrachten, Ihnen mehr zu zeigen, als den Anderen.

HELENA
Vielen Dank.

DOMIN
Aber Sie müssen sich einverstanden zeigen, nicht das geringste –

HELENA
(Sie steht auf und gibt ihm ihre Hand)
Mein Ehrenwort.

DOMIN
Vielen Dank. Würden Sie ihren Schleier kurz anheben?

HELENA
Sicher. Sie wollen sehen, ob ich ein Spion bin oder nicht. Ich bitte Sie um Entschuldigung.

DOMIN
Was gibt es?

HELENA
Würde es ihnen etwas ausmachen, meine Hand zu lösen?

DOMIN
(Er lässt sie los)
Ich bitte Sie um Entschuldigung.

HELENA
(hebt ihren Schleier)
Wie vorsichtig Sie sein müssen, nicht wahr?

DOMIN
(Beobachtet sie mit tiefem Interesse)
Hm, natürlich! – wir! – das ist! –

HELENA
Aber was ist denn? Was ist los?

DOMIN
Ich bin sehr erfreut. Hatten Sie eine angenehme Schiffsreise?

HELENA
Ja.

DOMIN
Keine Schwierigkeiten

HELENA
Warum?

DOMIN
Was ich sagen will ist – Sie sind so jung.

HELENA
Können wir direkt in die Fabrik gehen?

DOMIN
Ja. Zweiundzwanzig, denke ich

HELENA
Zweiundzwanzig was?

DOMIN
Jahre.

HELENA
Einundzwanzig. Warum wollen Sie das wissen?

DOMIN
Weil! – weil… –
(mit Enthusiasmus)
Sie werden einen langen Aufenthalt hier haben, nicht wahr?

HELENA
Das hängt davon ab, wie viel von der Fabrik Sie mir zeigen

DOMIN
Oh, ja, die Fabrik. Oh nein, nein, Sie werden alles sehen, Fräulein Glory. Ja Sie sollen. Wollen Sie sich nicht hinsetzen?

HELENA
(geht zur Couch und setzt sich)
Vielen Dank.

DOMIN
Aber möchten Sie zuerst die Geschichte der Erfindung hören?

Ein Plakat aus dem dunklen Jahr 1939

HELENA
Ja, natürlich.

DOMIN
(Beobachtet HELENA mit Entzücken und wendet sich schnell ab)
Im Jahre 1920 begab sich der alte Rossum, der große Physiologe, damals ein ganz junger Wissenschaftler, auf diese ferne Insel zum Zweck des Studiums der Ozeanfauna begab. Bei dieser Gelegenheit versuchte er durch chemische Synthese, die lebende Materie, die als Protoplasma bekannt war, zu imitieren, bis er plötzlich eine Substanz entdeckte, die sich genau wie die lebende Materie verhielt, obwohl ihre chemische Zusammensetzung anders war. Das war im Jahr 1932, genau vierhundertvierzig Jahre nach der Entdeckung Amerikas. Puh!

HELENA
Kennen Sie das auswendig

DOMIN
Ja. Verstehen Sie, Physiologie ist nicht mein Fach. Soll ich weitererzählen?

HELENA
Ja bitte.

DOMIN
Und dann, Fräulein Glory, schrieb der alte Rossum folgendes zu seiner Sammlung chemischer Exemplare: „Die Natur hat nur eine Methode gefunden, um lebende Materie zu organisieren. Es gibt jedoch eine andere Methode, einfacher, flexibler und schneller, die der Natur noch nicht eingefallen war. Der zweite Prozess, durch den Leben entwickelt werden kann, wurde heute von mir entdeckt. “ Nun stellen Sie sich vor, Fräulein Glory, wie er diese wunderbaren Worte zu einem kolloidalen Chaos schrieb, das sich noch nicht einmal ein Hund anschauen würde. Stellen Sie sich vor, wie er über einem Reagenzglas saß und darüber nachdachte, wie der ganze Baum des Lebens daraus wachsen würde, wie alle Tiere von ihm ausgehen würden, beginnend mit einer Art Käfer und endend mit einem Menschen. Ein Mensch von anderer Substanz als wir. Fräulein Glory, das war ein ungeheurer Moment.

HELENA
Und nun?

DOMIN
Nun war die Schwierigkeit, das Leben aus den Reagenzgläsern herauszholen und die Entwicklung zu beschleunigen und Organe, Knochen und Nerven zu bilden und so weiter und solche katalysierenden Substanzen, Enzyme, Hormone und so weiter, kurz gesagt – Sie verstehen?

HELENA
Nicht sonderlich, fürchte ich.

DOMIN
Geben Sie darauf keine Acht. Mit Hilfe seiner Tinkturen konnte er tun, was er wollte. Er hätte eine Medusa mit dem Gehirn eines Sokrates oder einen fünfzig Meter langen Wurm produzieren können. Aber ohne einen Funken Humor, nahm er sich in seinem Kopf vor, ein Wirbeltier oder vielleicht einen Menschen zu machen. Diese künstliche lebendige Materie hatte einen großen Durst nach Leben. Es hatte nichts dagegen, genäht oder gemischt zu sein. Das konnte nicht mit natürlichem Eiweiss geschehen. Und so hat er sich damit beschäftigt.

HELENA
Womit?

DOMIN
Damit die Natur nachzuahmen. Zuerst versuchte er einen künstlichen Hund zu schaffen. Das brauchte mehrere Jahre und führte zu einer Art verkümmertem Kalb, das nach ein paar Tagen starb. Ich zeige es dir im Museum. Und dann begann der alte Rossum mit der Herstellung des Menschen.

HELENA
Und das soll ich niemandem verraten?

DOMIN
Niemandem in der Welt.

HELENA
Schade, dass es in allen Schulbüchern von Europa und Amerika zu finden ist.

DOMIN
Ja. Aber wissen Sie, was nicht in den Schulbüchern steht? Der alte Rossum war verrückt Ernsthaft, Fräulein Glory, das müssen Sie für sich behalten. Die alte Kurbel wollte eigentlich Leute herstellen.

HELENA
Aber Sie stellen doch Leute her.

DOMIN
Ungefähr, Fräulein Glory. Aber der alte Rossum meinte es buchstäblich. Er wollte eine Art wissenschaftlicher Ersatz für Gott werden. Er war ein furchtbarer Materialist, und deshalb hat er das alles getan. Sein einziger Zweck war nicht mehr und nicht weniger als zu beweisen, dass Gott nicht mehr notwendig sei. Kennen Sie sich mit Anatomie aus?

HELENA
Sehr wenig.

DOMIN
Ich auch nicht. Nun, dann hat er sich entschlossen, alles wie im menschlichen Körper zu produzieren. Ich zeige Ihnen im Museum den trantütigen Versuch, für den er zehn Jahre benötigte. Es sollte ein Mensch sein, aber er lebte nur drei Tage. Dann kam der junge Rossum, ein Ingenieur. Er war ein wunderbarer Kerl, Fräulein Glory. Als er sah, was für ein Schlamassel der alte Mann hervorbrachte, sagte er: „Es ist absurd, zehn Jahre lang einen Menschen herzustellen. Wenn du ihn nicht schneller machen kannst als die Natur, kannst du auch den Laden schliessen.“ Dann setzte er sich selbst an die Anatomie.

HELENA
In den Schulbüchern steht nichts davon.

DOMIN
Nein. Die Schulbücher sind voller bezahlter Werbung, und Müll noch dazu. Was die Schulbücher über die vereinten Bemühungen der beiden großen Rossums sagen, ist alles ein Märchen. Sie hatten schreckliche Streitigkeiten. Der alte Atheist hatte nicht die geringste Vorstellung von industriellen Angelegenheiten, und das Ende davon war, dass der junge Rossum ihn in einem Laboratorium oder ähnliches packte, und ihn seine Zeit mit seinen Monstrositäten zu geben, während er selbst mit dem Geschäft begann aus Ingenieursperspektive. Der alte Rossum verfluchte ihn, und bevor er starb, schaffte er es, zwei physiologische Schrecken zu erschaffen. Dann eines Tages fanden sie ihn im Laboratorium tot. Und das ist die ganze Geschichte.

HELENA
Und was ist mit dem jungen Mann?

DOMIN
Nun, jeder, der in die menschliche Anatomie hineingesehen hat, wird sofort gesehen haben, dass der Mensch zu kompliziert ist und dass ein guter Ingenieur ihn einfacher machen könnte. So begann der junge Rossum, die Anatomie zu überholen und versuchte festzustellen, was ausgelassen oder vereinfacht werden könnte. Kurz gesagt – aber das ist nicht langweilig, Fräulein Glory?

HELENA
Nein in der Tat. Sie sind — es ist schrecklich interessant.

DOMIN
So sagte der junge Rossum zu sich selbst: „Ein Mensch ist etwas, das sich glücklich fühlt, Klavier spielt, spazieren geht, und in der Tat, eine ganze Menge Dinge, die wirklich unnötig sind, tut.“

HELENA
Oh.

DOMIN
Das ist unnötig, wenn er, sagen wir, zu weben oder zu zählen hat. Spielen Sie Klavier?

HELENA
Ja.

DOMIN
Das ist gut. Aber eine Arbeitsmaschine darf nicht Klavier spielen, darf sich nicht glücklich fühlen, darf nicht ganz andere Dinge tun. Ein Benzinmotor darf keine Quasten oder Ornamente haben, Fräulein Glory. Und die Herstellung von künstlichen Arbeitnehmern ist die gleiche Sache wie die Herstellung von Benzinmotoren. Der Prozess muss vom Einfachsten her gedacht werden, und das Produkt das Beste aus praktischer Sicht. Welche Art von Arbeitnehmer ist Ihrer Meinung nach am Besten aus praktischer Sicht?

HELENA
Was?

DOMIN
Welche Art von Arbeitnehmer ist Ihrer Meinung nach das Beste aus praktischer Sicht?

HELENA
Vielleicht derjenige, der am ehrlichsten und fleißig ist.

DOMIN
Nein; Derjenige, der am günstigsten ist. Derjenige, dessen Anforderungen die kleinsten sind. Der junge Rossum erfand einen Arbeiter mit dem Minimum an Anforderungen. Er musste ihn vereinfachen. Er lehnte alles ab, was nicht direkt zum Fortschritt der Arbeit beigetragen hat – alles, was den Menschen wertvoll macht. Tatsächlich lehnte er den Menschen ab und erschuf den Roboter. Meine liebes Fräulein Glory, Roboter sind keine Menschen. Mechanisch sind sie vollkommener als wir, sie haben eine enorm entwickelte Intelligenz, aber sie haben keine Seele.

HELENA
Woher wissen Sie, dass sie keine Seele haben?

DOMIN
Haben Sie jemals gesehen, wie ein Roboter von innen aussieht?

HELENA
Nein.

DOMIN
Sehr ordentlich, sehr einfach. Wirklich, ein schönes Stück Arbeit. Nicht viel drin, aber alles in makelloser Ordnung. Das Produkt eines Ingenieurs ist technisch von höherer Perfektion als ein Produkt der Natur.

HELENA
Aber der Mensch soll die Schöpfung Gottes sein.

DOMIN
Umso schlimmer. Gott hat nicht die geringste Vorstellung von modernem Ingenieurwesen. Würden Sie glauben, dass der junge Rossum dann doch begann, Gott zu spielen?

HELENA
Wie meinen Sie das?

DOMIN
Er begann, Super-Roboter herzustellen. Richtige Riesen waren das. Er versuchte, sie zwölf Fuß hoch zu machen. Aber Sie würden nicht glauben, was für ein Versagen sie waren.

HELENA
Ein Versagen?

DOMIN
Ja. Aus irgendeinem Grund fielen ihre Glieder ständig ab. Offenbar ist unser Planet zu klein für Riesen. Jetzt machen wir nur Roboter normaler Größe und von sehr hochwertigem menschlichem Finish.

HELENA
Ich habe die ersten Roboter zu Hause gesehen. Der Stadtrat hat sie gekauft! – ich meine, hat sie für die Arbeit eingestellt.

DOMIN
Gekauft, liebes Fräulein Glory. Roboter werden gekauft und verkauft.

HELENA
Diese wurden als Straßenkehrer eingesetzt. Ich sah sie fegen. Sie waren so seltsam und ruhig.

DOMIN
Rossums Universal-Roboterfabrik produziert keine einheitliche Roboter-Marke. Wir haben Roboter mit feineren und gröberen Noten. Der Beste wird etwa zwanzig Jahre leben.

Er klingelt nach MARIUS. [Read on]

So enden wir womöglich

HELENA
Dann sterben sie

DOMIN
Ja, sie werden verbraucht.http://warehouse.industries/core/wp-admin/post.php?post=390&action=edit#
(MARIUS tritt ein)
Marius, hol Proben des manuellen Arbeitsroboters ein.
(MARIUS geht)

Ich zeige Ihnen Exemplare der beiden Extreme. Diese erste Klasse ist vergleichsweise preiswert und wird in großen Mengen hergestellt.

(MARIUS kommt wieder mit zwei Handarbeitrobotern)
Da sind sie ja; kräftig wie ein kleiner Traktor. Garantiert, durchschnittliche Intelligenz zu haben. Das reicht, Marius.

MARIUS geht mit den beiden Robotern hinaus.

HELENA
Sie geben mir so ein seltsames Gefühl.

DOMIN
(klingelt)
Haben Sie meine neue Schreibkraft gesehen?

Er klingelt noch einmal nach SULLA.

HELENA
Sie ist mir nicht aufgefallen.

SULLA tritt ein.

DOMIN
Sulla, lass Fräulein Glory dich sehen.

HELENA
Ich freue mich, Sie kennenzulernen. Sie müssen es furchtbar langweilig an diesem völlig abseits gelegenen Ort finden, nicht wahr?

SULLA
Ich weiß nicht, Fräulein Glory.

HELENA
Woher kommen Sie?

SULLA
Aus der Fabrik

HELENA
Oh, Sie sind dort geboren?

SULLA
Ich wurde dort gemacht

HELENA
Was?

DOMIN
(Lachen)
Sulla ist ein Roboter, beste Klasse.

HELENA
Oh, ich bitte um Verzeihung.

DOMIN
Sulla ist nicht böse auf Sie. Schauen Sie, Fräulein Glory, die Art von Haut, die wir herstellen.
(Fühlt die Haut auf Sulla’s Gesicht)
Fühlen Sie ihr Gesicht.

HELENA
Oh nein nein.

DOMIN
Sie würden nicht wissen, dass sie aus anderen Materialien als den unseren gemacht ist, würden Sie? Drehen Sie sich um, Sulla.

HELENA
Oh, hören Sie auf, hören Sie auf.

DOMIN
Sprich mit Fräulein Glory, Sulla.

SULLA
Setzen Sie sich bitte.
(HELENA setzt sich)
Hatten Sie eine angenehme Überfahrt?

HELENA
Oh, ja, sicherlich.

SULLA
Gehen Sie nicht auf die Amelia, Fräulein Glory. Der Barometer fällt stetig. Warten Sie auf die Pennsylvania. Das ist ein gutes, kraftvolles Schiff.

DOMIN
Was ist dessen Geschwindigkeit?

SULLA
Zwanzig Knoten Fünfzigtausend Tonnen. Eines der neuesten Schiffe, Fräulein Glory.

HELENA
Vielen Dank.

SULLA
Eine Mannschaft von fünfzehnhundert, Kapitän Harpy, acht Kessel! –

DOMIN
Das genügt, Sulla. Zeigen Sie uns jetzt Ihre Französischkenntnisse.

HELENA
Sie können Französisch?

SULLA
Ich kenne vier Sprachen. Ich kann schreiben: Dear Sir, Monsieur, Geehrter Herr, Cteny pane.

HELENA
(hochspringend)
Oh, das ist absurd! Sulla ist kein Roboter. Sulla ist ein Mädchen wie ich. Sulla, das ist unverschämt! Warum nehmen Sie an solch einem Scherz teil?

SULLA
Ich bin ein Roboter.

HELENA
Nein, nein, Sie sagen nicht die Wahrheit. Ich weiß, sie haben Sie gezwungen, es als Werbung zu tun. Sulla, Sie sind ein Mädchen wie ich, nicht wahr?

DOMIN
Es tut mir leid, Fräulein Glory. Sulla ist ein Roboter.

HELENA
Es ist eine Lüge!

DOMIN
Was?
(Klingelt)
Entschuldigen Sie, Fräulein Glory, dann muss ich Sie überzeugen.

MARIUS tritt ein.

DOMIN
Marius, nehmen Sie Sulla in das Sezierzimmer und sagen Sie ihnen, sie sollen sie sofort öffnen.

HELENA
Wohin?

DOMIN
In den Sezierraum. Wenn sie sie aufgeschnitten haben, können Sie hingehen und gucken.

HELENA
Nein, nein!

DOMIN
Entschuldigen Sie, Sie sprachen von Lügen.

HELENA
Sie hätten sie nicht umbringen lassen, oder?

DOMIN
Sie können keine Maschinen töten.

HELENA
Haben Sie keine Angst, Sulla, ich werde Sie nicht gehen lassen. Sagen Sie mir, meine Liebe, sind sie immer so grausam zu ihnen? Sie dürfen es nicht mitmachen, Sulla. Sie dürfen es nicht.

SULLA
Ich bin ein Roboter.

HELENA
Das ist egal ,Roboter sind genauso gut wie wir sind. Sulla, Sie würden sich nicht in Stücke schneiden lassen?

SULLA
Doch.

HELENA
Oh, Sie haben doch keine Angst vor dem Tod?

SULLA
Ich kann es nicht sagen, Fräulein Glory.

HELENA
Wissen Sie, was mit Ihnen passieren würde?

SULLA
Ja, ich würde aufhören mich zu bewegen.

HELENA
Wie schrecklich!

DOMIN
Marius, sagen Sie Fräulein Glory was Sie sind.

MARIUS
Marius, der Roboter.

DOMIN
Würden Sie Sulla in den Sezierraum bringen?

MARIUS
Ja.

DOMIN
Würde sie Ihnen leid tun?

MARIUS
Ich kann es nicht sagen.

DOMIN
Was würde mit ihr passieren?

MARIUS
Sie würde aufhören sich zu bewegen. Sie würden sie in die Stanzmühle legen.

DOMIN
Das ist der Tod, Marius. Haben Sie keine Angst vor dem Tod?

MARIUS
Nein.

DOMIN
Sie sehen, Fräulein Glory, die Roboter haben kein Interesse am Leben. Sie haben keine Freuden. Sie sind weniger als so viel Gras.

HELENA
Oh, hören Sie auf. Schicken Sie sie weg

DOMIN
Marius, Sulla, Sie können gehen.

Es gehen: SULLA und MARIUS. [Read on]

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HELENA
Wie schrecklich! Es ist unverschämt, was Sie tun.

DOMIN
Warum unverschämt

HELENA
Ich weiß es nicht, aber das ist es. Warum nennen Sie sie Sulla?

DOMIN
Ist das nicht ein netter Name?

HELENA
Es ist der Name eines Mannes. Sulla war ein römischer General.

DOMIN
Oh, wir dachten, Marius und Sulla seien Liebhaber gewesen.

HELENA
Marius und Sulla waren Generäle und kämpften gegeneinander im Jahr! – ich habe es vergessen

DOMIN
Kommen Sie her zum Fenster.

HELENA
Was?

DOMIN
Kommen Sie her. Was sehen Sie?

HELENA
Maurer.

DOMIN
Roboter. Alle unsere Arbeiter sind Roboter. Und da unten, können Sie etwas sehen?

HELENA
Irgendeine Art von Büro.

DOMIN
Ein Zählhaus. Und drin!

HELENA
Viele Beamte.

DOMIN
Roboter. Alle unsere Beamten sind Roboter. Und wenn Sie die Fabrik sehen –
(Fabrikpfeife)
Mittag. Wir benötigen den Pfiff, weil die Roboter nicht wissen, wann mit der Arbeit zu stoppen ist. In zwei Stunden zeige ich Ihnen die Knetmulde.

HELENA
Knetmulde

DOMIN
Die Pistille zum Schlagen der Paste. In jede mischen wir die Zutaten für tausend Roboter in einer Operation. Dann gibt es Bottiche für die Vorbereitung der Leber, Gehirne, und so weiter. Dann werden Sie die Knochenfabrik sehen. Danach zeige ich Ihnen die Spinnerei.

HELENA
Spinnerei?

DOMIN
Ja. Zum Weben von Nerven und Venen. Meilen und Meilen von Verdauungsröhrchen kommen gleichzeitig durch.

HELENA
Vielleicht reden wir noch über etwas anderes?

DOMIN
Vielleicht wäre es besser Es gibt nur eine Handvoll von uns unter hunderttausend Robotern, und keine Frau. Wir reden nur über die Fabrik den ganzen Tag, jeden Tag. Es ist so, als wären wir verflucht, Fräulein Glory.

HELENA
Es tut mir leid, dass ich gesagt habe, dass Sie lügen.

Ein Klopfen an der Tür.

DOMIN
Herein!

[Read on]

... samt farbigem Wohnzimmer

Von rechts kommen herein: MR. FABRY, DR GALLE, DR HALLEMEIER, HERR. ALQUIST.

DR GALLE
Ich bitte um Verzeihung, ich hoffe, dass wir nicht stören.

DOMIN
Kommen Sie herein. Fräulein Glory, hier sind Alquist, Fabry, Galle, Hallemeier. Das ist die Tochter von Präsident Glory.

HELENA
Guten Tag!

FABRY
Wir hatten keine Ahnung! —

DR GALLE
Sehr geehrt, ich bin sicher!

ALQUIST
Willkommen, Fräulein Glory.

BUSMAN kommt von rechts rein.

BUSMAN
Guten Tag, wie geht es Ihnen?

DOMIN
Kommen Sie herein, Busman. Das ist Busman, Fräulein Glory. Das ist die Tochter von Präsident Glory.

BUSMAN
Sakrament, das ist wunderbar! Fräulein Glory, können wir ein Kabelgramm an die Zeitungen über Ihre Ankunft schicken?

HELENA
Nein, nein, bitte nicht.

DOMIN
Setzen Sie sich bitte, Fräulein Glory.

BUSMAN
Erlauben Sie mir!–

(Zieht Sessel heran)

DR GALLE
Bitte!–

FABRY
Entschuldigen Sie!–

ALQUIST
Wie war Ihre Überfahrt?

DR GALLE
Bleiben Sie lange?

FABRY
Was halten Sie von der Fabrik, Fräulein Glory?

HALLEMEIER
Sind Sie auf der Amelia gekommen?

DOMIN
Seien Sie still und lassen Sie Fräulein Glory sprechen.

HELENA
(Zu DOMIN)
Worüber soll ich mit ihnen sprechen?

DOMIN
Alles was du magst.

HELENA
Soll ich ganz ehrlich sprechen?

DOMIN
Natürlich, natürlich.

HELENA
(Schwankend, dann in verzweifelter Entschlossenheit)
Sagen Sie mir, bedrängt es Sie nicht, wie Sie behandelt werden?

FABRY
Von wem, wenn ich fragen darf?

HELENA
Nun, von jedem.

ALQUIST
Behandelt?

DR GALLE
Was lässt Sie denken!– ?

HELENA
Fühlst Sie nicht, dass Sie ein besseres Leben haben könnten?

DR GALLE
Nun, das hängt davon ab, was Sie meinen, Fräulein Glory.

HELENA
Ich meine, dass es völlig unverschämt ist. Es ist schrecklich.
(steht auf)
Ganz Europa spricht über die Art, wie Sie behandelt werden. Deshalb bin ich hierher gekommen, um für mich zu sehen, und es ist tausendmal schlechter als man sich vorstellen konnte. Wie können Sie sich damit abfinden?

ALQUIST
Abfinden mit was?

HELENA
Guter Himmel, Sie sind Lebewesen, genau wie wir, wie ganz Europa, wie die ganze Welt. Es ist schade, dass Sie so leben müssen.

BUSMAN
Mein lieber Herrgott, Fräulein Glory.

FABRY
Nun, sie liegt nicht weit falsch. Wir leben hier wie rote Indianer.

HELENA
Schlimmer als rote Indianer. Darf ich Sie Brüder nennen?

BUSMAN
Warum nicht?

HELENA
Brüder, ich bin nicht als Tochter des Präsidenten hierher gekommen. Ich bin im Auftrag der Menschheitsliga gekommen. Brüder, die Menschheitsliga hat jetzt über zweihunderttausend Mitglieder. Zweihunderttausend Menschen sind auf Eurer Seite und bieten euch ihre Hilfe an.

BUSMAN
Zweihunderttausend Menschen! Fräulein Glory, das ist ein ordentliches Los. Nicht schlecht.

FABRY
Ich sage dir immer, es gibt nichts wie das gute alte Europa. Sie sehen, sie haben uns nicht vergessen. Sie bieten uns Hilfe an.

DR GALLE
Welche Hilfe? Ein Theater, zum Beispiel?

HALLEMEIER
Ein Orchester?

HELENA
Mehr als das.

ALQUIST
Nur Sie?

HELENA
Oh, kümmern Sie sich nicht um mich. Ich bleibe so lange, wie es nötig ist.

BUSMAN
Sakrament ist das gut!

ALQUIST
Domin, ich werde das beste Zimmer für Fräulein Glory vorbereiten.

DOMIN
Eine Minute. Ich fürchte, dass Fräulein Glory der Meinung ist, dass sie mit Robotern gesprochen hat.

HELENA
Na sicher.

DOMIN
Es tut mir Leid. Diese Gentlemen sind Menschen wie wir.

HELENA
Sie sind keine Roboter?

BUSMAN
Keine Roboter.

HALLEMEIER
Roboter in der Tat!

DR GALLE
Nein, Danke.

FABRY
Auf meine Ehre, Fräulein Glory, wir sind keine Roboter.

HELENA
(Zu DOMIN)
Warum haben Sie dann gesagt, dass all Ihre Beamten Roboter sind?

DOMIN
Ja, die Beamten, aber nicht die Manager. Erlauben Sie mir, Fräulein Glory: Das ist Mr. Fabry, General Technical Manager von R.U.R .; DR Galle, Leiter der Psychologischen und Experimentellen Abteilung; DR Hallemeier, Leiter des Instituts für Psychologische Ausbildung von Robotern; Konsul Busman, Geschäftsführer; Und Alquist, Leiter der Bauabteilung von RUR.

ALQUIST
Nur ein Baumeister.

HELENA
Entschuldigen Sie, meine Herren, für! – für! -. Habe ich etwas Schreckliches getan?

ALQUIST
Gar nicht, Fräulein Glory. Setzen Sie sich wieder.

HELENA
Ich bin vielleicht dumm. Schicken Sie mich zurück zum ersten Schiff.

DR GALLE
Nicht für irgendetwas in der Welt, Fräulein Glory. Warum sollen wir Sie zurückschicken?

HELENA
Weil Sie wissen, dass ich gekommen bin, um Ihre Roboter für Sie zu stören.

DOMIN
Mein liebes Fräulein Glory, wir haben hier hundert Retter und Propheten gehabt. Jedes Schiff bringt uns einige. Missionare, Anarchisten, Heilsarmee, alle Arten. Es ist erstaunlich, welche Anzahl von Kirchen und Idioten es in der Welt gibt.

HELENA
Und Sie lassen sie mit den Robotern sprechen?

DOMIN
Bisher haben wir sie alle gelassen, warum nicht? Die Roboter erinnern sich an alles, aber das ist alles. Sie lachen nicht einmal, über das was die Leute sagen. Wirklich, es ist ganz unglaublich. Wenn es Sie amüsieren würde, Fräulein Glory, bringe ich Sie zum Roboterlager. Es hält etwa dreihunderttausend von ihnen.

BUSMAN
Dreihundertsiebenundvierzigtausend.

DOMIN
Gut! Und Sie können sagen, was auch immer sie mögen. Sie können die Bibel lesen, die Multiplikationstabelle rezitieren, was auch immer Sie wollen. Sie können sogar über Menschenrechte predigen.

HELENA
Oh, ich denke, wenn man ihnen ein wenig Liebe zeigen würde –

FABRY
Unmöglich, Fräulein Glory. Nichts ist schwerer zu mögen als ein Roboter.

HELENA
Wofür stellen Sie sie denn dann her?

BUSMAN
Ha, ha, ha, das ist gut! Wofür sind Roboter gemacht?

FABRY
Für die Arbeit, Fräulein Glory! Ein Roboter kann zweieinhalb Arbeiter ersetzen. Die menschliche Maschine, Fräulein Glory, war schrecklich unvollkommen. Sie musste früher oder später entfernt werden.

BUSMAN
Sie war zu teuer.

FABRY
Sie war nicht wirksam. Sie antwortete nicht mehr auf die Anforderungen der modernen Technik. Die Natur hat keine Ahnung, was es heißt, mit der modernen Arbeit Schritt zu halten. Zum Beispiel: aus technischer Sicht ist die ganze Kindheit eine schiere Absurdität. So viel Zeit verloren. Und dann!

HELENA
Ach nein! Nein!

FABRY
Entschuldigen Sie. Aber sagen Sie mir, was ist das eigentliche Ziel Ihrer Liga! – die … die Menschheitsliga.

HELENA
Ihr wahrer Zweck ist, – die Roboter zu schützen – und! – und für ihre gute Behandlung zu sorgen.

FABRY
Auch keine schlechte Sache. Eine Maschine muss richtig behandelt werden. Auf meine Seele, da bin ich ganz bei Ihnen. Ich mag keine beschädigten Artikel. Bitte, Fräulein Glory, melden Sie uns alle als beitragende oder regelmäßige oder Stiftungsmitglieder Ihrer Liga an.

HELENA
Nein, Sie verstehen mich nicht. Was wir wirklich wollen, ist, die Roboter zu befreien.

HALLEMEIER
Wie schlagen Sie vor, das zu tun?

HELENA
Sie sollen wie! – wie Menschen behandelt werden.

HALLEMEIER
Aha. Ich nehme an, sie sollen wählen? Bier trinken? Uns Befehle erteilen?

HELENA
Warum sollten sie kein Bier trinken?

HALLEMEIER
Vielleicht sollen sie sogar, Löhne erhalten?

HELENA
Natürlich sollen sie.

HALLEMEIER
Auch das noch! Und was würden sie mit ihren Löhnen tun, sagen Sie?

HELENA
Sie würden kaufen – was sie brauchen … was ihnen gefällt…

HALLEMEIER
Das wäre sehr nett, Fräulein Glory, nur ist da nichts, was den Robotern gefällt. Mein lieber Himmel, was sollen sie kaufen? Sie können Ihnen Ananas, Stroh, was auch immer Sie mögen verordnen. Es ist ihnen egal, sie haben überhaupt keinen Appetit. Sie haben kein Interesse an irgendetwas, Fräulein Glory. Zum Teufel, niemand hat noch nimmer ein Roboter-Lächeln gesehen.

HELENA
Warum … warum machen Sie sie nicht glücklicher?

HALLEMEIER
Das würde nichts nützen, Fräulein Glory. Sie sind nur Arbeiter.

HELENA
Oh, aber sie sind so intelligent.

HALLEMEIER
Vergeblich so, sie sind nichts anderes. Sie haben keinen eigenen Willen. Keine Leidenschaft. Keine Seele.

HELENA
Weder Liebe..?

HALLEMEIER
Liebe? Lieber nicht. Roboter lieben nicht. Nicht einmal sich selbst.

HELENA
…noch Trotz?

HALLEMEIER
Trotz? Ich weiß es nicht. Nur selten, von Zeit zu Zeit.

HELENA
Was?

HALLEMEIER
Nichts besonderes. Gelegentlich scheinen sie ihren Kopf zu verlieren. So etwas wie Epilepsie, wissen Sie. Es heißt Roboterkrampf. Sie werden plötzlich alles, was sie halten, abschütteln, still stehen, mit den Zähnen knirschen – und dann müssen sie in die Stanzmühle gehen. Es ist offensichtlich ein Ausfall im Mechanismus.

DOMIN
Ein Fehler in der Herstellung, der behoben werden muss.

HELENA
Nein, nein, das ist die Seele.

FABRY
Glauben Sie, dass die Seele sich zuerst durch eine Zähneknirschen zeigt?

HELENA
Vielleicht ist es eine Art Aufstand. Vielleicht ist es nur ein Zeichen dafür, dass es einen inneren Kampf gibt. Oh, wenn man sie damit ausstatten könnte!

DOMIN
Das wird behoben, Fräulein Glory. DR Galle macht nur einige Experimente! –

DR GALLE
Nicht im Hinblick darauf, Domin. Momentan stelle ich Schmerznerven her.

HELENA
Schmerznerven?

DR GALLE
Ja, die Roboter fühlen praktisch keine körperlichen Schmerzen .Sie müssen sehen, der junge Rossum stellte ihnen ein zu begrenztes Nervensystem zur Verfügung. Wir müssen Leiden einführen.

HELENA
Warum wollen Sie ihnen Schmerzen verursachen?

DR GALLE
Aus industriellen Gründen, Fräulein Glory. Manchmal beschädigt sich ein Roboter selbst, weil es ihm nicht weh tut. Er legt seine Hand in die Maschine, bricht seinen Finger, zerschmettert den Kopf, das ist ihm egal. Wir müssen ihnen Schmerzen geben.
Das ist ein automatischer Schutz vor Schäden.

HELENA
Werden sie glücklicher sein, wenn sie Schmerzen empfinden?

DR GALLE
Im Gegenteil; aber sie werden aus technischer Sicht perfekter sein.

HELENA
Warum schaffen Sie keine Seele für sie?

DR GALLE
Das ist nicht in unserer Macht.

FABRY
Das liegt nicht in unserem Interesse.

BUSMAN
Das würde die Produktionskosten erhöhen. Papperlapapp, meine liebe junge Dame, wir stellen sie zu einem so günstigen Preis her. Hundertfünfzig Dollar pro Stück in voller Montur, und vor fünfzehn Jahren kosteten sie zehntausend. Vor fünf Jahren haben wir die Kleider für sie gekauft. Heute haben wir unsere eigene Weberei, und jetzt exportieren wir sogar Kleidung fünfmal billiger als andere Fabriken. Was bezahlt man für einen Meter Stoff, Fräulein Glory?

HELENA
Ich weiß es nicht wirklich, ich habe es vergessen

BUSMAN
Gnädiges Fräulein, und Sie wollen eine Menschheitsliga gründen? Es kostet nur noch ein Drittel, Fräulein Glory. Alle Preise sind heute ein Drittel dessen, was sie waren und sie werden noch niedriger sinken, niedriger, niedriger, genau so.

HELENA
Ich verstehe nicht.

BUSMAN
Wertes Fräulein Glory, das bedeutet, dass die Kosten der Arbeit gefallen sind. Ein Roboter, Essen und alles Andere, kostet drei Viertel pro Cent pro Stunde. Das ist sehr wichtig, wissen Sie. Alle Fabriken werden knacken wie Kastanien, wenn sie nicht sofort Roboter kaufen, um die Produktionskosten zu senken.

HELENA
Und ihre Arbeiter loszuwerden?

BUSMAN
Na sicher. Aber in der Zwischenzeit haben wir fünfhunderttausend tropische Roboter auf die argentinischen Pampas geworfen, um Mais anzubauen. Würde es Ihnen etwas ausmachen, mir zu sagen, wie viel Sie ein Pfund für Brot bezahlen?

HELENA
Ich habe keine Ahnung.

BUSMAN
Wir werden es dir sagen. Es kostet jetzt zwei Cent im guten alten Europa. Ein Pfund Brot für zwei Cent, und die Menschheitsliga weiß nichts davon. Fräulein Glory, Sie wissen nicht, dass auch das zu teuer ist. In fünf Jahren, darauf können Sie wetten!

HELENA
Was?

BUSMAN
Dass die Kosten für alles nicht ein Zehntel dessen betragen, was sie jetzt sind. Glauben Sie mir, in fünf Jahren werden wir bis zu unseren Ohren in Mais und alles anderem bedeckt sein.

ALQUIST
Ja, und alle Arbeiter auf der ganzen Welt werden beschäftigt sein.

DOMIN
Ja, Alquist, das werden sie. Ja, Fräulein Glory, das werden sie. Aber in zehn Jahren werden Rossums Universalroboter so viel Mais produzieren, so viel Stoff, so viel von allem, dass die Dinge praktisch ohne Preis sein werden. Es wird keine Armut geben. Alle Arbeiten werden von lebenden Maschinen durchgeführt. Jeder wird frei von Sorgen und befreit von der Verschlechterung der Arbeit sein. Jeder wird nur leben, um sich selbst zu verwirklichen.

HELENA
Wird er?

DOMIN
Na sicher. Es wird geschehen Aber dann wird die Knechtschaft des Menschen durch den Menschen und die Versklavung des Menschen durch Materie aufhören. Natürlich können schreckliche Dinge zuerst passieren, aber das kann einfach nicht vermieden werden. Niemand wird Brot zum Preis von Leben und Hass bekommen. Die Roboter werden die Füße des Bettlers waschen und ein Bett für ihn in seinem Haus vorbereiten.

ALQUIST
Domin, Domin. Was du sagst, klingt zu sehr wie das Paradies. Der Dienst hatte etwas Gutes und Demut war etwas Großes. Es gab eine Art Tugend in Mühe und Müdigkeit.

DOMIN
Vielleicht. Aber wir können nicht mit dem, was verloren ist, rechnen, wenn wir anfangen, die Welt zu verändern. Der Mensch ist frei und über allem; er wird kein anderes Ziel haben, keine andere Arbeit, keine andere Sorge als sich zu verwirklichen. Er soll weder Dingen noch Menschen dienen. Er wird weder Maschine noch Mittel für Produktion sein. Er wird Herr der Schöpfung sein.

BUSMAN
Amen.

FABRY
So sei es.

HELENA
Sie haben mich verwirrt – ich möchte! – das möchte ich gern glauben

DR GALLE
Sie sind jünger als wir, Fräulein Glory. Sie werden es sehen.

HALLEMEIER
Stimmt. Glauben Sie nicht, dass Fräulein Glory mit uns essen könnte?

DR GALLE
Na sicher. Domin, fragen Sie im Namen von uns allen.

DOMIN
Fräulein Glory, werden Sie uns die Ehre erweisen?

HELENA
Wenn Sie wissen, weshalb ich gekommen bin –

FABRY
Für die Liga der Menschheit, Fräulein Glory.

HELENA
Oh, in diesem Fall vielleicht!

FABRY
Das ist prächtig! Fräulein Glory, entschuldigen Sie mich für fünf Minuten.

DR GALLE
Entschuldigen Sie mich ebenfalls, wertes Fräulein Glory.

BUSMAN
Es wird nicht lange dauern.

HALLEMEIER
Wir sind alle sehr froh, dass Sie gekommen sind.

BUSMAN
Wir sind in genau fünf Minuten wieder da.

Alle eilen hinaus außer DOMIN und HELENA.

HELENA
Weshalb sind sie alle hinausgegangen?

DOMIN
Um zu kochen, Fräulein Glory.

HELENA
Was zu kochen?

DOMIN
Mittagessen. Die Roboter kochen für uns und da sie keinen Geschmack haben, ist es nicht ganz..! – Hallemeier ist schrecklich gut mit Gegrillltem und Gall kann eine Art Sauce machen, und Busman weiß alles über Omelettes.

HELENA
Welch ein Fest! Und was ist die Spezialität von Herrn! – Ihr Baumeister?

DOMIN
Alquist? Nichts. Er legt nur den Tisch. Und Fabry wird ein bisschen Früchte bekommen. Unsere Küche ist äußerst bescheiden, Fräulein Glory.

HELENA
Ich wollte Sie etwas fragen!–

DOMIN
Und ich wollte Sie auch etwas fragen.
(Blick auf die Uhr)
Fünf Minuten.

HELENA
Was wollten Sie mich fragen?

DOMIN
Entschuldigen Sie, Sie haben zuerst gefragt.

HELENA
Vielleicht ist es dumm von mir, aber warum fertigen Sie weibliche Roboter an, wenn! – wenn –

DOMIN
Wenn Sex ihnen nichts bedeutet?

HELENA
Ja.

DOMIN
Es gibt eine gewisse Nachfrage, sehen Sie. Dienstmädchen, Verkäuferinnen, Stenografen. Menschen sind daran gewöhnt.

HELENA
Aber, aber sagen Sie mir, sind die Roboter männlich und weiblich gegenseitig! – ganz ohne! –

DOMIN
Völlig gleichgültig zueinander, Fräulein Glory. Es gibt kein Zeichen von Zuneigung zwischen ihnen.

HELENA
Oh, das ist schrecklich.

DOMIN
Warum?

HELENA
Es ist so unnatürlich. Man weiß nicht, ob man angewidert sein sollte oder sie hassen oder vielleicht!

DOMIN
Sie bemitleiden sollte?

HELENA
Das wäre es wohl eher. Was wollten Sie mich fragen?

DOMIN
Ich möchte Sie fragen, Fräulein Helena, ob Sie mich heiraten würden?

ENDE VON AKT 1