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"My Dog is my Piano" Gespräch zwischen Antonia Baehr und Nanna Heidenreich
Folie aus "My Dog is my Piano" von Antonia Baehr

20.10.17, 7pm

Naunynstrasse 53, Berlin

 

„Qui (ne) se ressemble (pas) s’assemble.“

Tocki und Bettina von Arnim leben zusammen im selben Haus. Sie sprechen nicht dieselbe Sprache, sie gleichen sich kaum und doch haben sie zusammengefunden. In „My Dog is My Piano“ skizziert Antonia Baehr ein subjektives, akustisches Porträt der Verbundenheit ihrer Mutter mit ihrem Hund: Welche Art Sprache ergibt sich aus diesem langen Duett der alltäglichen Vorgänge, dieser Choreografie der Verbundenheit? „My Dog is my Piano“ widmet sich einer sehr spezifischen Beziehung, aber untersucht Möglichkeiten der Beobachtung und Dokumentation generell. Spuren in der Architektur, Archivmaterial und körperliche Einschreibungen bilden eine Partitur für ein interspezifisches Zusammensein. Partituren sind nicht nur Anleitungen zur Ausführung, sie sind auch das Trägermaterial von Nähe und Freundschaft. In „My dog is my piano“ wird das Haus zur Partitur für die Choreographie des Alltagstanzes von Tocki und Bettina von Arnim, wird die Partitur zum Mittel der Analyse und am Ende ist es die Partitur, die diese Interspezies-Beziehung transkribiert.
Antonia Baehr und Nanna Heidenreich im Gespräch über „My Dog is my Piano“, Freundschaft, Partituren und Einschreibungen. Auf ein letztes Mal: warehouse, Naunynstrasse 53.

Antonia Baehr ist Choreographin und Filmemacherin. Ihre Stücke untersuchen unter anderem die Fiktion des Alltäglichen und des Theaters. Sie arbeitet mit verschiedenen Partner*innen, häufig in Form von Rollenspielen, zusammen: Jede*r ist von Projekt zu Projekt abwechselnd Gast oder Gastgeber*in. Baehr studierte Film- und Medienkunst an der Hochschule der Künste Berlin bei Valie Export und absolvierte ihren Master an der School of the Art Institute of Chicago bei Lin Hixson. Seit 2006 unterrichtet sie u.a. als Gastprofessorin an verschiedenen Hochschulen Europas. 2008 erschien ihr Buch ›Lachen‹ und Anfang 2014 das neue Buch ›Abecedarium Bestiarium. Portraits of affinities in animal metaphors‹.

Nanna Heidenreich ist seit Oktober 2016 Professorin für Digital Narratives – Theory an der ifs internationale filmschule köln. Im Sommer 2016 hat sie die Professur für Medienkulturwissenschaften an der Universität Hildesheim vertreten und war von 2011 bis 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medienforschung an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Sie arbeitet als Kuratorin im Haus der Kulturen der Welt und war Kuratorin des Programms Forum Expanded bei der Berlinale. Daneben kuratiert sie unabhängige Projekte mit Film und Video, besonders an den Kreuzungspunkten von Politik & Kino / Kunst. Sie hat zahlreiche Publikationen (Bücher, Artikel, DVD-Editionen) im Bereich kritische Migrationsforschung, visuelle Kultur, postkoloniale Theorie, Politik/Kunst/Kino, anderes Kino (feministisch, queer, experimentell) veröffentlicht. Außerdem Übersetzungen aus dem Englischen (Kunst/Theorie/Kino) und bis 2009 Performanceproduktionen und andere Interventionen mit dem antirassistischen Netzwerk Kanak Attak. Sie ist Teil des Netzwerks kritische Migrations- und Grenzregimeforschung und seit 2016 ist sie an der Vorbereitung des Tribunals „NSU-Komplex auflösen“ beteiligt.